Darmkrebs

Der Darm
Der Darm ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Er ist etwa sieben Meter lang und hat eine Oberfläche, die der Größe eines Tennisplatzes entspricht. Wie ein Schlauch liegt er in lockeren Schlingen im Bauchraum und gliedert sich in Dünndarm, Dickdarm und Enddarm. Zuständig ist er für die Verdauung der Nahrung: Beim Essen und Trinken gelangen die Lebensmittel zuerst in den Magen. Im Dünndarm werden sie zu einem Nahrungsbrei zersetzt und in den Dickdarm weiter transportiert. Dort werden die wichtigsten Bestandteile aus der Nahrung herausgefiltert: Zucker, Mineralien, Vitamine und auch Wasser gelangen von hier aus ins Blut und über den Blutkreislauf in alle Bereiche des Körpers.

 

Die Abgrenzung des Darms zum Bauchraum bildet die Darmwand. Sie besteht in allen Darmabschnitten aus vier Schichten: Die erste Schicht ist die Darmschleimhaut (Mukosa). Sie kleidet den Darm von innen aus. Die darauf liegende Schicht heißt Submukosa. Sie ist eine Bindegewebsschicht, in der Blutgefäße und Nerven zur Versorgung der Darmschleimhaut liegen. Durch die darüber liegende Muskelschicht (Muskularis) kann sich der Darm längs und quer zusammenziehen, um den Nahrungsbrei weiter zu transportieren. Die äußerste Schicht ist eine dünne Bindegewebsschicht (Serosa), sie hat eine stützende Funktion.

 

 

Entstehung von Darmkrebs
In der Regel erledigt der Darm seine Aufgaben einwandfrei und hält uns gesund. Doch es kann in wenigen Fällen zu bösartigen Veränderungen kommen. Heute weiß man: In fast allen Fällen (90% (1) ) entsteht eine Vorstufe aus zunächst gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut. Diese sehen wie Pilze aus und werden als Polypen bezeichnet. Polypen können jahrelang gutartig bleiben, aber sie können auch entarten und sich zu einem bösartigen Tumor entwickeln — das geschieht meist schleichend und völlig unbemerkt innerhalb von fünf bis zehn Jahren.

 

Haben sich Polypen zu bösartigen Wucherungen entwickelt, beschränkt sich der Tumor anfangs auf die innerste Schicht der Darmwand. Später drängt er in die weiteren Schichten vor. Dabei können sich Krebszellen absondern und über die Blutbahn bzw. das Lymphsystem andere Regionen des Körpers erreichen und dort weitere Tumore bilden (Metastasen).

 

 

Stadien der Erkrankung (2)
Zur Beschreibung der Krankheitsentwicklung benutzen Ärzte das so genannte „TNM-System“ (3). Sie teilen das Tumorwachstum in mehrere Stadien ein. Dabei werden die Tumorgröße (T), die Anzahl der befallenen Lymphknoten (N für Nodus = Knoten) und das Vorhandensein von Metastasen (M) berücksichtigt.

Man unterscheidet

 

Stadium 0
Tumorzellen sind nur in der oberen Darmschleimhaut zu finden (wenn T=,,is" notiert wird, steht „is“ für ,,in situ", was lokal begrenzt bedeutet). Lymphknoten sind nicht befallen (N=0), Metastasen sind nicht feststellbar (M=0).

 

Stadium I
Kleiner Tumor, der sich auf seinen Entstehungsort beschränkt. Befall der Darmschleimhaut (T=1) oder auch der darüber liegenden Muskelschicht (T=2). Lymphknoten sind nicht befallen (N=0), Metastasen sind nicht feststellbar (M=0).

 

Stadium II
Größerer Tumor, der in alle Schichten der Darmwand vorgedrungen ist und die äußere Schicht der Darmwand bereits durchbrochen hat (T=3) beziehungsweise eventuell auch andere Organe befallen hat (T=4). Lymphknoten sind nicht befallen (N=0), Metastasen sind nicht feststellbar (M=0).

 

Stadium III
Weit fortgeschrittener Tumor. Lymphknoten sind befallen (N=1-2), Metastasen sind nicht feststellbar (M=0).

 

Stadium IV
Der Tumor hat das umliegende Gewebe erfasst. Es sind bereits Metastasen in anderen Organen wie Leber oder Lunge vorhanden (M=1). Lymphknoten können befallen sein (N=0-2).

 

Erste Anzeichen: keine. Das ist leider Fakt. Ein Darmtumor kommt schleichend und oft über sehr lange Zeit völlig unbemerkt. Treten erste Beschwerden auf, ist die Erkrankung in der Regel schon recht weit fortgeschritten. Daher sind Vorsorge und Früherkennung so wichtig und die wirksamste Waffe gegen diese Erkrankung.

Beschwerden (4), die man ernst nehmen und medizinisch abklären lassen sollte, sind

 

  • Appetitverlust
  • Gewichtsabnahme
  • Minderung der Leistungsfähigkeit und häufige Müdigkeit, außerdem wiederholtes leichtes Fieber und Nachtschweiß.
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Krämpfe
  • Völlegefühl, auch wenn wenig gegessen wurde
  • Veränderte Stuhlgewohnheiten, etwa besonders häufiger Stuhldrang, aber auch wiederholt Verstopfung
  • Verdauungsbeschwerden, etwa Schmerzen beim Stuhlgang oder Blähungen mit ungewolltem Stuhlabgang 
  • Blut im Stuhl

 

All das kann natürlich auch auf andere, harmlose Erkrankungen hinweisen. Halten solche Probleme längere Zeit an, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Ihm stehen eine Reihe von Untersuchungsmethoden zur Verfügung, um die Ursache der Beschwerden abzuklären.
Häufigkeit

 

Im Jahr 2012 (5) erkrankten etwa 33.740 Männer und 28.500 Frauen an Darmkrebs. Damit ist Darmkrebs derzeit bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Tumorerkrankung hierzulande. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter an. Im Durchschnitt erkranken Männer im Alter von 71 Jahren, Frauen im Alter von 75 Jahren.

 

Fast zwei Drittel der Erkrankungen treten im Dickdarm (Kolonkarzinom) auf, etwa ein Drittel betrifft den kürzeren Enddarm (auch Mastdarm genannt, Rektumkarzinom). Beide zusammen werden auch als Kolorektales Karzinom bezeichnet.. Tumore im Dünndarm sind äußerst selten.

 

Insgesamt liegt Deutschland bei den Neuerkrankungsraten im internationalen Vergleich etwa in der Mitte (6).

 

 

Risikofaktoren


Warum ein Tumor entsteht, konnten Wissenschaftler noch nicht endgültig klären. Da aber der Darm die Nahrung verdaut, liegt es nahe, dass unsere Art der Ernährung die Entstehung von Darmkrebs beeinflusst. Zu den Risikofaktoren bei der Ernährung gehören Alkoholkonsum, eine zu fette Ernährung, zu wenig Ballaststoffe sowie zu wenig Obst und Gemüse. Dazu kommen ungesunde Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Bewegungsmangel und generell Übergewicht. Es gibt aber auch eine angeborene Veranlagung, die Darmkrebs selbst bei ansonsten gesunder Lebensweise fördert.

 

 

Familiäre Veranlagung (7)
In einigen Familien treten Krebserkrankungen häufiger auf als in anderen. Dann besteht eine genetische Veranlagung dazu. Auch bei Darmkrebs gibt es dieses erblich bedingte, erhöhte Risiko.

 

In der Regel sind die Betroffenen dann jünger, wenn die Krankheit ausbricht, sie können bereits an anderen Krebsarten erkrankt sein (zum Beispiel Magen-, Blasen- oder Hautkrebs, bei Frauen auch Gebärmutter- oder Eierstockkrebs). Etwa zwei von 1.000 Menschen der Allgemeinbevölkerung haben eine solche erbliche Belastung.

 

 

Weitere Risikofaktoren


Neben Ernährungs- und Lebensgewohnheiten gibt es auch eine Reihe anderer (Erb-)Krankheiten, die die Entstehung von Darmkrebs begünstigen, darunter

 

  • Lynch-Syndrom / HNPCC (hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom), die häufigste Form des erblichen Darmkrebses (8), bei der Polypen deutlich häufiger auftreten, als bei der restlichen Bevölkerung und in einem jüngeren Lebensalter.
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa 
  • Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP), eine Krankheit, bei der sich bereits in jungen Jahren hunderte bis tausende von Darmpolypen entwickeln, aus denen im Laufe der Zeit ein bösartiger Tumor entstehen kann.
  • Gardner-Syndrom, eine Erbkrankheit ausgelöst durch einen ähnlichen Gendefekt wie die FAP. Neben den Darmpolypen treten beim Gardner-Syndrom weitere gutartige Tumoren auf, etwa in den Knochen (Osteome), im Fettgewebe (Lipome) und Bindegewebe (Fibrome) sowie Zysten der Talgdrüsen. Das Risiko für Darmkrebs beträgt für Menschen mit Gardner-Syndrom 100 Prozent.
  • Peutz-Jeghers-Syndrom, eine Erbkrankheit, bei der nicht nur im Darm zahlreiche Polypen auftreten, sondern auch im Magen. Das Syndrom ist auch gekennzeichnet durch braune Flecken im Gesicht, an Armen, Beinen und der Mundschleimhaut. Das Risiko, Darmkrebs zu bekommen, ist ebenfalls deutlich erhöht, liegt aber unter 100 Prozent.
  • Cowden-Syndrom, eine Erbkrankheit, die ebenfalls zahlreiche Darm- und Magenpolypen verursacht. Darüber hinaus treten beim Cowden-Syndrom gehäuft Brust- und Schilddrüsenkrebs auf. 
  • Turcot-Syndrom, diese Erbkrankheit führt neben Polypen im Darm typischerweise zu Hirntumoren.

 

 

1) http://www.darmkrebs.de/ueberblick/was-ist-darmkrebs/wie-entsteht-darmkrebs/
2) https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/befunde-staging.php#inhalt9

3) http://www.darmkrebs.de/frueherkennung-diagnose/stadieneinteilung/darmkrebsstadien/

4) https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/symptome.php
5) Robert Koch Institut, Krebs in Deutschland 2011/2012, 10. Ausgabe, 2015 (PDF S.40) oder auch http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html
6) GLOBOCAN 2012 (IARC) (29.11.2015)
7) http://www.krebshilfe.de/nc/wir-informieren/ueber-praevention-frueherk/krebs-frueherkennung/darmkrebs-frueherkennung.html
8) http://www.familienhilfe-darmkrebs.de/hnpcc-lynch-syndrom/

Film Darmkrebsvorsorge

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